Zusammen ist man weniger allein – mal herb, mal süß

by on 04/01/2014
© 2014 PROKINO

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Das Leben ist doch wie ein guter Wein, mit unterschiedlichen Nuancen, mal herb, mal süß.

Die junge Camille (Audrey Tautou) ist eine begabte Zeichnerin, die sich dem Leben verweigert. Sei es gegenüber ihrer Mutter, sei es im Job. Statt ihrem Talent nachzugehen, arbeitet sie abends in einer Putzkolonne und lebt allein in einer zugigen kleinen Pariser Dachzimmerwohnung. Der schüchterne Adelssprössling und Hobby-Historiker Philibert (Laurent Stocker), dem Camille immer wieder im Hauseingang begegnet, wohnt im selben Haus in einer riesigen Belle-Etage-Wohnung. Philibert verkauft Postkarten in einem Museumsshop, da er sich nichts anderes zutraut. Aber er hat ein großes Herz und so teilt er seine Wohnung mit einem flüchtigen Bekannten: Franck (Guillaume Canet).
Franck ist eigentlich das Gegenteil von Philibert: ein selbstbezogener Typ, der gerne Motorrad fährt und sich mit wechselnden Affären und lauter Musik von seinem Stress als Gourmetkoch erholt. Wirklich verbunden fühlt er sich offenbar nur seiner Großmutter Paulette (Franςoise Bertin), die nach einem Unfall auf Hilfe angewiesen ist.
Als Philibert an einem kalten Wintertag beschließt, der kranken Camille Unterschlupf in seiner Wohnung zu gewähren, reagiert Franck zunächst ablehnend. Als er jedoch sieht, wie Philibert aufblüht, weil er sich um jemanden kümmern kann, beschließt Franck, sich zu arrangieren. So beginnt eine Entwicklung, während derer die drei sich beschnuppern oder aus dem Weg gehen, streiten und versöhnen, beschimpfen und bewundern, bekochen und betrinken, hassen und lieben – bis sie gelernt haben, wie stark und glücklich sie gemeinsam sind, und am Ende auch Francks Großmutter Paulette mit in die Wohnung holen.

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Schon als die ersten Töne der Filmmusik von Frédéric Botton zu hören waren, musste ich wieder daran denken, wie sehr ich doch französische Filme mag. Ich konnte mir jedoch nicht genau erklären warum ich sie so mag. Es ist vielleicht deswegen, weil alle oder zumindest viele dieser Filme genau diese romantische Leichtigkeit haben, die die ersten Noten von Bottons Musik suggerieren. Eine Leichtigkeit, die einfach nur glücklich macht und eine Hommage an das Leben ist.
Doch wie immer kann das gute Gefühl nicht von Dauer sein, nicht für sich allein existieren und so gehört als Gegenpart unweigerlich auch das traurige, das Melodrama dazu – nicht nur in so einen französischen Film, sondern auch im wahren Leben.

Das Leben ist eben beides zugleich und das löst der Film von Claude Berri auf interessante Art und Weise. Er schafft es auf sehr leisen und gar nicht überschwängliche Wegen immer wieder mit Bravour die Richtung zu wechseln, und sei es nur um ein Grad in die eine oder die andere Richtung. Vielleicht liegt es auch daran, dass man als Zuschauer nicht übertrieben in eine Richtung und eine emotionale Situation katapultiert wird. Ein leises Wechselbad der Gefühle. Verstärkt wird dieses Gefühl auch durch die zurückhaltende und sehr passende schauspielerische Darstellung von Audrey Tautou, die davon abhält, alles auf sie und auf die wohl immer mit ihr verbundenen Rolle der verträumten Amélie Poulain zu projizieren. Dadurch entsteht eine wunderschöne Balance zwischen den Figuren und keine scheint eine beherrschende Rolle gegenüber den anderen einnehmen zu müssen.

Zugleich ist der Film auf eine schöne Weise ehrlich. Auch wenn im Deutschen – wie es immer bei Übersetzungen der Fall ist – ein bisschen der Charme der Situation verfliegt, zeigt er, dass nichts gegeben ist. Die wahre Schönheit im Leben besteht darin, sich mit seinen Mitmenschen „zusammen zu raufen“ und ein Großteil der Kraft des Lebens daraus hervorgeht, dass wir mit anderen Menschen unser Leben teilen. Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die das Leben ausmachen. Die Menschen um einen herum, mit denen man sich über das eigene Leben austauschen kann, machen das Leben reicher.

Ich persönlich finde, dass der Originaltitel des Films die Seele und die Botschaft des Films am besten beschreibt. Während Zusammen ist man weniger alleine schon eine traurige Note hat, besitzt Ensemble, c’est tout, die passende Portion Melancholie und Sehnsucht. Man ist zusammen, mehr nicht. Man ist jedoch nicht alleine, die anderen Menschen sind da und man hat somit die Chance etwas aufzubauen und sei es eine Familie auf Zeit. Zur gleichen Zeit zeigen der französische Titel aber auch der Film, dass leider nichts für immer ist. Doch dann kommt etwas Neues, von dem man nicht wusste, dass es existiert. Das Leben ist nun einmal herb und süß zugleich, mal wunderschön und mal traurig,und das immer im Wechsel. Genauso wie die Musik von Frédéric Botton.

DVD-Start der technisch überarbeiteten Version: 9. April 2014

Pressespiegel auf film-zeit.de

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