Myn Bala – Krieger der Steppe

by on 03/08/2013
© Pandastorm Pictures

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Myn Bala – Krieger der Steppe von Akan Satayev war der kasachische Beitrag für den Oscar 2013 und dürfte die meisten beim ersten Blick an eine Art östliches Braveheart denken lassen. Braveheart räumte seinerzeit, verdient oder unverdient, fünf Oscars ab. Myn Bala – Krieger der Steppe schaffte es nicht einmal unter die Nominierten. Dass der Film deswegen schlecht ist, bedeutet das aber ganz und gar nicht.

In Myn Bala – Krieger der Steppe dreht sich alles um den Widerstand entgegen jeglicher Versagenswahrscheinlichkeit. Die mongolischen Dsungaren fallen im 18. Jahrhundert in die kasachische Steppe ein, unterwerfen die Stämme und zerstören dabei so manches Leben. So auch das von Sartai (Assylkhan Tolepov), dessen Familie im Laufe der Eroberung getötet wird. Jahre später schwört er zusammen mit seinem besten Freund Taimas (Ayan Utepbergenov) Rache. Sie schaffen das Unmögliche und bauen eine eigene Bande von Steppenkriegern auf, die so manchen Schlag gegen die Dsungaren vollbringt und als gutes Vorbild nebenbei die Stämme zum Rebellieren bringt. Natürlich kann so etwas nur eine bestimmte Zeit gut gehen und schon bald stellen sich die ersten, teils katastrophalen Schwierigkeiten ein. Am Ende bleibt die Frage, ob der Idealismus stärker sein kann, als eine Armee fantastischer Größe.

Seine zwei Stunden Laufzeit füllt Myn Bala – Krieger der Steppe nicht nur mit Kampfszenen, sondern auch mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, Intrigen und moralischen Weggabelungen. Myn Bala – Krieger der Steppe schafft es, den bei einem solchen Fall offensichtlichen Schnitzer zu umgehen und den Kampf der Kasachen gegen die Dsungaren nicht als Kampf des Guten gegen das Böse darzustellen. Selbst, wenn die Dsungaren von unmenschlichen Gräueltaten gegen die Widerständler schwärmen, sind einige von ihnen durchaus mit einem Hintergrund ausgestattet, der ihr Handeln verständlich macht.

Der stärkste Punkt des Films ist aber die Dynamik zwischen Sartay und Taimas. Zu Anfang noch eine untrennbare Einheit, kristallisiert sich schnell heraus, dass Sartay eindeutig der fähigere, überlegtere Anführer ist. Taimas hingegen wird fast ausschließlich von seiner Wut auf die Dsungaren angetrieben und so ist es klar, dass sie im Laufe des Films aneinandergeraten. Was ist in diesem Krieg erlaubt und was nicht? Diese Frage und Taimas Neid auf den Ruhm, den die Bewegung scheinbar nur Sartay einbringt, sorgen schließlich für einige interessante Wendungen.

Manche Minuten dieser zwei Stunden kamen mir aber doch sehr viel gedehnter vor, als sie eigentlich sind. Neben einer kleinen Liebesgeschichte für Sartay gib es für viele der Charaktere eigene Geschichten, die die Steppe zu der bunten Ménagerie an Figuren machen, die sie in Myn Bala – Krieger der Steppe ist. Und doch kam ich oft nicht umhin zu denken, dass weniger Ablenkungen und ein engerer Fokus auf Sartay, Taimas und ihre Bemühungen dem Film gut getan hätten.

Abseits dieser Kritik wird Myn Bala – Krieger der Steppe aber auch durch die grandiosen Landschaftsaufnahmen und die vielen kulturellen Eigenheiten für Bewohner der westlichen Hemisphäre interessant. Die Steppe erinnert manchmal sogar an eine Western-Ästhetik und liegt weit abseits von dem, was sich der ein oder andere vielleicht unter dem Begriff Kasachstan vorstellt (vor allem abseits der rassistischen Kulturpastiche, die Sacha Baron Cohen als Parodie  in Borat inszeniert).

Myn Bala – Krieger der Steppe ist nicht unbedingt das größte Meisterwerk der Filmgeschichte. Der Aufbau des Films ist bis auf ein paar Wendungen doch etwas zu vorhersehbar und geizt nicht mit den pathetischen Mustern, die Historienfilme oft annehmen. Nichtsdestotrotz protzt er nicht mit lauten Tönen, sondern hält diesen Pathos auf angenehmer Lautstärke. Myn Bala – Krieger der Steppe bietet vieles, nicht nur fürs Auge, und schaffte es, dass ich in Zukunft öfter auf kasachische Kinoerzeugnisse achten werde.

VERKAUFSSTART: 26. Februar 2013

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