Mitgift – Ostdeutschland im Wandel – Die Grüne Wende

by on 03/05/2014
© Film Kino Text

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1990, drei Monate nach dem Mauerfall, machte sich der Dokumentarfilmer Roland Blum auf, um die sich im Umbruch befindliche DDR zu dokumentieren. Dabei offenbarte sich ihm ein trauriges Bild der Natur und Blum wird klar, dass die DDR 1989 kurz vor dem ökologischen Zusammenbruch stand. Industriestandorte wie Bitterfeld haben ganze Landstriche verseucht und infolge der Luftverschmutzung und des schlechten Trinkwassers sind die Menschen krank geworden. So drängten 1989 auch die Umweltschutzgruppen auf die Straße, um die ökologische Zukunft der Nation und der kommenden Generationen zu sichern. Auch mit ihren Umweltbibliotheken und ihren Angeboten für die Bürger waren sie ein wichtiger Bestandteil der friedlichen Revolution dieses wichtigen Jahres der deutschen Geschichte. Der Einfluss der Umweltaktivisten der DDR ist bis heute spürbar, denn kurz vor der Wende schafften es die Aktivisten, ein Fünftel des Territoriums der DDR unter Landschaftsschutz zu stellen und somit die Grundlage für zahlreiche Biosphärenreservate und Nationalparks im vereinigten Deutschland zu bilden. In den Jahren 2000 und 2013 besuchte Roland Blum die Orte und Menschen, die er 1989 bereits aufgesucht hatte, um zu sehen was sich in den fast 25 Jahren alles verändert hat.

Blums Dokumentarfilm gehört aus thematischer Sicht zu den wenigen Dokumente, die die Umweltprobleme und den Umweltschutz in der ehemaligen DDR thematisieren. Er reiht sich daher in die gleiche Riege ein wie zum Beispiel der heimlich gedrehte Dokumentarfilm Bitteres aus Bitterfeld. Eine Bestandsaufnahme von Rainer Hällfritzsch, Margit Miosga und Ulrich Neumann aus dem Jahr 1988. Die Bilder und die Interviews mit den Menschen vor Ort, die uns Blum präsentiert, sind stellenweise erschreckend, selbst wenn man sie schon irgendwie kennt und nach über 20 Jahren deutscher Einheit immer wieder gesehen hat. Und immer wieder wird klar, dass dieses Land durch den eigentlich nicht zu gewinnenden wirtschaftlichen Wettkampf mit dem kapitalistischen Nachbarn nicht nur aus finanzieller und politischer Sicht, sondern auch aus ökologischer Sicht am Ende war. Als Gegenpart zu diesen Bildern präsentiert der Film die Situation heute und zeigt, dass, auch wenn die grauen Bilder von vergifteten Landschaften nicht unbedingt verheißungsvoll waren, das Land sich im höchsten Maße zum Positiven verändert hat. Erfolgsstories wie zum Beispiel die Biosphärenreservate und Nationalparks, aber auch die Demeter- und Ökobetriebe auf den ehemals kranken Landstrichen zeigen wie sehr die Menschen dafür gearbeitet haben, um ihre Umwelt und ihre Zukunft zu retten.

© Roland Blum

© Roland Blum

Aus dieser thematischen Sicht erscheint Mitgift – Ostdeutschland im Wandel, wie der Film mit ganzem Titel heißt, als ein wichtiges Zeitdokument, das nur zu gut verdeutlicht, wie sehr die ökologische Bewegung am friedlichen Umbruch Anteil hatte. Auch die zahlreichen positiven Pressestimmen untermauern das sicherlich zu Recht. Jedoch scheint mir ein wichtiges Thema nicht ausreichend behandelt zu werden. Es gehört auch die filmische Umsetzung des Stoffes dazu und da scheitert der Film stellenweise an seinen eigenen Ansprüchen. Die Gegenüberstellungen von damals und heute erfüllen ihren Zweck und stellenweise wird dem Zuschauer während des Films immer wieder klar, dass die Bilder ein Spiegelbild unseres Kapitalismus sind, der ebenfalls zu scheitern droht, so wie einst der Sozialismus in der DDR. Das Bedauerliche daran ist, dass der Film sich bei genauerer Betrachtung diese Botschaft nicht zum Ziel gesetzt hat und diese Gedanken sich vielmehr nur durch Zufall ergeben. Der Regisseur konzentriert sich auf die Bestandsaufnahme von damals und heute. Und gerade weil er dauernd nur das macht, verlieren die Bilder im Verlauf des Films ihre Kraft und verfehlen letztlich das Thema der ökologischen Aufklärung.

Auch nicht ganz unschuldig daran sind der Titel des Films und dessen grafische Gestaltung: Auf dem Plakat steht das Wort „Mitgift“ in giftgrünen Buchstaben. Die Doppeldeutigkeit des Worts ist interessant, denn das Wort steht für die „Mitgift“ in Form der Natur, die die DDR in die Ehe mit der BRD gebracht hat. Und zugleich auch dafür, dass diese Mitgift „mit-Gift“ daherkommt, was eben auf die damalige ökologische Misere in der ostdeutschen Natur verweist. Gerade weil sich der Film mit diesem Titel selbst in eine bestimmte Richtung drängt, erscheint das Interview mit einem ostdeutschen Uhrenkonzern in der zweiten Hälfte von Mitgift – Ostdeutschland im Wandel wie ein Fremdkörper. In dieser Befragung erzählt der ältere Besitzer eines namhaften Unternehmens, dass er nach der Wende die Uhrenfabrik wieder zum gleichen Erfolg gebracht wie einst sein Großvater und reiht sich damit sicherlich zu Recht in die ostdeutschen Erfolgsmodelle nach der Wende ein. Da dieses Erfolgsmodell aber eines ist, dass rein gar nichts mit dem ökologischen Thema zu tun hat, das sich der Film vorgenommen hat, fällt dieser kurze Exkurs schwer ins Gewicht und stört.

Man kann dem Film zu Gute halten, dass er sich dieses wichtigen Themas annimmt und den Blick darauf lenkt, jedoch hätte man sich bei der Umsetzung mehr Innovation gewünscht.

Kinostart: 06. März 2014

Pressespiegel bei film-zeit

3 Umwelt-Dokumentationen und ein Film, an den dennis bei Mitgift immer wieder denken musste:

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