Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Regeln zum Glück

by on 07/11/2014
© 2014 Egoli Tossell Film

© 2014 Egoli Tossell Film

Es gibt Momente im Leben, in denen man alles hat, doch auf’s Neue wieder herausfinden muss was Glück überhaupt ist.

Der leicht exzentrische, aber doch sehr liebenswerte Hector (Simon Pegg) hat eigentlich ein tolles Leben. In seinem Beruf als Psychiater gibt er alles damit seine Patienten glücklich sind und mit ihren Problemen klarkommen. Doch irgendwie gelingt ihm das nicht. Auch er selbst beginnt sich zu fragen, ob er glücklich ist und seine Beziehung zu Freundin Clara (Rosamund Pike) wirklich so unerschütterlich ist wie es bisher schien. So kommt der Tag, an dem Hector sein Leben grundsätzlich ändert. Er packt seinen Rucksack und geht raus in die Welt auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage „Was ist Glück?“.
Ausgerüstet mit einer Menge Mut, Tatendrang und Neugier stürzt sich Hector ins Abenteuer. Seine Reise führt ihn dabei um den ganzen Erdball, nach Asien, Afrika und Amerika. Dabei lernt er nicht nur sehr unterschiedliche Personen kennen, sondern bekommt auch viele unterschiedliche und interessante Antworten auf die eine Frage, die ihn auf den Weg gebracht hat.

Als Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück von Peter Chelsom nach dem gleichnamigen Buch von François Lelord im Vorfeld als Feel-Good-Movie beschrieben wurde, musste ich unweigerlich an Das erstaunliche Leben des Walter Mitty von und mit Ben Stiller denken. Und so ist es glaube ich auch cutrin ergangen, die mit mir in der Pressevorführung war. Doch eigentlich sind die beiden Filme unterschiedlich. Während Walter Mitty (Ben Stiller) erst herausfinden muss, dass auch er ein Held ist, glücklich sein und alles erreichen kann, hat der liebenswerte Psychiater Hector (Simon Pegg) schon alles was er will. Da er tagtäglich mit seinen Patienten spricht, die mit ihrem Leben unglücklich sind, kommt in ihm die Frage auf, ob er selbst überhaupt glücklich ist und sich sogar fragt was Glück überhaupt ist. So macht er sich auf in die Welt, um das herauszufinden. Dabei trifft er die unterschiedlichsten Menschen, die von zahlreichen bekannten Schauspielern gespielt werden wie z.B. Stellan Skarsgård, Jean Reno oder auch Veronica Ferres.

© 2014 Egoli Tossell Film

© 2014 Egoli Tossell Film

An dieser Stelle eine kleine Randnotiz für die, die wie ich beim Namen Veronica Ferres kurz die Augenbraue hochziehen: keine Sorge, ihre Rolle als New Age Hippie im Film mag zwar kein Glanzstück sein, doch sie passt irgendwie zu ihr und sorgt auch für ein paar Lacher.

Der Film entwickelt bei Hectors Reise um die Welt mit der Kombination zwischen Realität und den aus Hectors Kopf und Tagebuch entsprungenen Gedanken, Glücksregeln und Zeichnungen eine sehr interessante und recht eigene Filmsprache, die stellenweise ungewöhlich scheinen mag aber für das Thema sehr passend ist. Interessant dahingehend ist eine kurze Szene als Hector auf dem Weg nach Afrika ist und in der der Film für einen kurzen Moment aus dem filmischen Universum tritt und dabei nicht nur „Hinter die Kulissen“ schauen lässt sondern zugleich damit auch die eigene Filmsprache relativiert, bevor sie zum Klamauk verkommt.
Es ist auch mehr oder weniger in dem Moment, in dem der Film, der skurril lustig beginnt, einen Tick ernster wird. Das ist vielleicht auch ein weiterer Unterschied zwischen Das erstaunliche Leben des Walter Mitty und der Reise von Hector. Während in der Geschichte um Walter Mitty die wirklich traurigen und vor allem ernsten Dinge weitestgehend ausgespart werden, zeigt Hectors Reise, dass das Leben und die Suche nach dem Glück auch mit negativen Dingen verbunden sind und das auf oft sehr unterschiedlichste Weise.

Als cutrin und ich aus dem Kino gingen, bemängelte sie, dass der Film die Länder, die Hector bereist, ein bisschen mit Klischeebildern beschreibt und darstellt. Auf den ersten Blick muss ich ihr da Recht geben. Doch da zeigt sich in meinen Augen ein weiterer Pluspunkt des Films und das Regisseur Peter Chelsom einen Schritt weiter geht als Ben Stiller. Statt den panoramaartigen Bildern, die Walter Mitty sagen wollen: „Da, schau her, so toll ist die Welt wenn du dich traust sie zu erkunden“ und uns als Zuschauer dazu verleiten uns in ihnen zu verlieren, führen die etwas klischeehaften und trotzdem schönen Bilder bei Hectors Reise dazu, dass wir uns im Film auf das Wesentliche konzentrieren. Damit bleiben wir eigentlich ganz nah bei den vielseitigen emotionalen und oft gegensätzlichen Erfahrungen, die Hector während des ganzen Films macht und die zuletzt notwendig sind, um am Ende zu verstehen was Glück überhaupt ist.

Doch so sehr ich auch die beiden Filme immer wieder vergleiche, das wirkliche Highlight in Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück ist Simon Pegg selbst, der hier eine große Bandbreite an Emotionen und Gesichtern zeigt und dabei wieder unter Beweis stellt, dass er ein wirklich toller und vielfältiger Schauspieler ist. Ich glaube es hätte keine bessere Wahl geben können, um die naive und doch voller Neugier steckende Figur des Hectors darzustellen.

Die Antwort auf die Frage „Was ist Glück?“ ist stellenweise auch eine Geschichte des Erwachsenwerdens und am Ende eigentlich erschreckend einfach, doch in meinen Augen in diesem Film wunderbar und wunderschön gelöst. Und vielleicht wäre sie nicht so einleuchtend und würde bei Weitem nicht so glücklich machen, hätten wir als Zuschauer vorher nicht all die Erlebnisse mit Hector durchgemacht. Am Ende verlässt man garantiert das Kino mit der ein oder anderen Freudenträne in den Augen. Bei mir war es jedenfalls so.
Und ja, glaubt nicht zu sehr dem Trailer, der Film ist erfreulicher Weise vielschichtiger und komplexer.

Pressespiegel auf film-zeit.de

Kinostart: 14. August 2014

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