Frank – der Exzentriker in jedem von uns

by on 07/04/2015
© Weltkino

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Frank (sehenswert und hörenswert: Michael Fassbender) ist der exzentrische Frontmann der experimentellen Rockband Soronprfbs und buchstäblich der Kopf der Band. Denn Frank trägt ständig einen übergroßen Pappmaché-Kopf auf seinen Schultern und dies nicht nur bei den skurrilen Live-Shows, sondern auch im Alltag. Nicht mal die Bandmitglieder (u.a. Maggie Gyllenhaal) haben je sein Gesicht gesehen. Als der Keyboarder ausfällt, nimmt die Band spontan den Tagträumer Jon (Domhnall Gleeson) als Ersatz. Und obwohl der erste gemeinsame Auftritt zum Desaster verkommt, darf der Debütant bleiben. Hochmotiviert zieht Jon mit der Band in die irischen Wälder, um ein Album aufzunehmen. In der abgelegenen Hütte dämmert Jon allmählich, worauf er sich eingelassen hat und als der Moment kommt, in dem Jon auf die Idee kommt Frank und Soronprfbs dem breiten Publikum zu präsentieren, passiert etwas, was Jon nicht vorhergesehen hatte.

In der Tat, wie kann man Frank beschreiben? Oder anders formuliert, was ist Frank?
Frank von Regisseur Lenny Abrahamson – der an das Leben des Musikers Chris Sievey und seines Alter Egos Frank Sidebottom anlehnt – ist vieles auf einmal und was auf den ersten Blick wie eine surreale, abgedrehte Story ohne Sinn aussieht, ist eigentlich tiefgründiger als es den Anschein hat.

© Jonathan Hession

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Frank ist zum einen eine subtile Kritik an der Filmindustrie und dem Drang die ganze Musik zu verheintlichen, ohne dabei wirklich Exoten zu haben. Während der Proben bemerkt Jon langsam das Genie, das sich hinter dem Pappmaché-Kopf verbirgt und will Frank und seine Band auf die große Bühne bringen. Und warum das nicht auf einem Newcomer Festival in Texas? Doch als Jon versucht die sehr eingesinnige Musik von Soronprfbs an den Mainstream anzupassen um Erfolg zu haben, verliert nicht nur der Sound seine Magie sondern auch die Bandmitglieder – und allen voran Frank -, leiden unter dem Verrat an ihrer Musik und so gerät das Vorhaben zur Katastrophe.

Frank ist aber auch ein Hoch auf den Freak, den Exzentriker, der in jedem von uns wohnt. So sehr die Mitglieder und Frank bei Jon und auch beim Zuschauer am Anfang Erstaunen hervorrufen, so sehr lernt man diese auch im Verlauf des Film näher kennen und entdeckt dabei Menschen, die in ihrer teils skurrilen Art und Weise doch zutiefst normal und vor allem zutiefst emotional sind und dabei eine emotionale Tiefe erreichen, zu der viele Menschen gar nicht vordringen können und vordringen wollen.

© Jonathan Hession

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Auf der anderen Seite ist Frank auch ein Hoch auf die Kreativität. Der Film feiert die Suche nach ihr. Die Suche nach der persönlichen Kreativität, die sich sehr oft hinter selbstgebauten Schutzwänden versteckt, die man sich selbst gebaut um nicht sich selbst zu sein. Doch nur wer den Mut hat über die eigenen Grenzen zu gehen – körperlich und geistig – und dazu bereit ist mal nicht Norm zu sein, kann wirklich kreativ sein. Frank sagt daher auch viel über Kunst per se aus, die eigentlich nur dann wirklich fruchten kann, wenn der Künstler am Rande des Wahnsinns ist. Wobei Wahnsinn immer relativ ist und vielmehr den Bereich jenseits der Grenze des eigenen Ich bezeichnet. Dabei fällt auf, dass die Quelle der Inspiration, das persönliche Duff / Kansas, eigentlich näher ist als man in der Regel denkt und jeder von uns nicht weit gehen muss, um diese zu finden. Wer sich eine der letzten Szenen des Films anschaut (als sich Jon aufmacht Frank zu suchen) und auf die geniale Iszenierung der Szene achtet, wird verstehen was ich meine.

Zugleich verdeutlicht der Film auch, dass die Kreativität oft auch ihre eigenen schützenden Grenzen braucht, in den sie sich entfalten kann. Und sei dies auch in Form eines Pappmaché-Kopf, der sowohl die Außenwelt auch einen selbst von einenander trennt und bewahrt. Insofern ist die Maske die Frank trägt eine Welt für sich, in dessen Rundungen sich nicht nur die Ideen entfalten, sondern auch die Manifestation der Grenzen zur Öffentlichkeit, die es zur Überschreiten gilt – oder auch nicht. Der Moment, in dem man sich der „Kritik“ der Öffentlichkeit hingibt.

Zuletzt ist Frank auch ein Film über Frank selber. Eine Person, die eigentlich tief verletztlich ist und nur dann souverän ist, wenn die Maske auf ist. Die Maske ist somit nicht nur ein Markenzeichen, sondern auch ein Schutz. Frank ist eben das kreative Genie, das die Grenzen des Menschen auslotet ohne dies zu wissen. Dabei aber so sehr in seiner eigenen Welt ist, dass ein Aussenstehender Mühe hat das zu verstehen. Selbst die Familie, wie am Ende des Film noch einmal klar wir, ist eigentlich nicht die Umgebung, in der so ein Mensch wie Frank sich entfalten kann, sondern nur in der Konstellation einer Band, die ebenso voll von Menschen ist, die fast genauso sind wie Frank.

Trotzdem oder gerade deswegen, wollen alle Frank sein – und das sollten wir auch.

Kinostart: 27. August 2015

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