Das Grenzt an Liebe – Alter schützt vor Langeweile nicht

by on 10/12/2014
© Senator Film Verleih

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Oren Little (Michael Douglas) ist ein Scheusal. Es gibt eine Million Gründe, den Immobilienmakler nicht zu mögen und zu meiden. Besonders die Nachbarn kommen in den Genuss seiner Gemeinheiten und die Tatsache, dass er auch noch der Besitzer des Appartementhauses ist in dem sie alle wohnen, macht das Ganze nicht einfacher. Doch eine Person hat sein Interesse geweckt: die attraktive Sängerin Leah (Diane Keaton) von nebenan. Eher ungeschickt und auf seine ganz speziell hölzerne Art versucht er, sie zu erobern. Doch das zunächst mit nur mäßigem Erfolg.
Erst als Oren sich überraschend um seine Enkeltochter Sarah (Sterling Jerins) kümmern muss, wendet sich das Blatt. Unschlüssig, wie man eine 9-Jährige versorgt, bittet er Leah um Hilfe. Als er denkt, sich smart aus der Verantwortung ziehen zu können, beißt er auf Granit, denn Leah gibt ihm kontra! Und auf einmal ist klar: Da geht noch was!

Als ich las, dass Rob Reiner wieder einen Film gedreht habe, wollte ich mir diesen unbedingt anschauen. OK, Reiner ist nicht unbedingt der Superstar unter den Regisseuren Hollywoods, doch er hat bei Harry und Sally Regie geführt, der wegen seiner genialen Dialoge und Figuren einer meiner Lieblingsfilme ist. Doch leider kam dann irgendwie alles anders.

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Die Botschaft, dass das Alter kein Grund ist sich nicht noch einmal verlieren zu können, ist schön und gut, aber auch nicht wirklich etwas Neues. Und das ist auch das grundlegende Problem des ganzen Films.
Michael Douglas hat durchaus die Fähigkeit ein Ekel zu spielen, doch in dieser Rolle erinnert er zu sehr an den garstigen Neurotiker Jack Nicholson in Besser geht’s nicht und an den Douglas, so sehr ich ihn auch schätze, bei Weitem nicht heran kommt. Und wenn ich mich so an die Kommentare meiner Kritikerkollegen nach dem Film erinnere, bin ich mit meiner Meinung da nicht alleine.
Und ja Diane Keaton. Sie ist … ja, Diane Keaton wie man sie nur lieben kann und die sicherlich zu Recht am 1. Oktober einen Preis für ihr Lebenswerk beim Zürich Film Festival erhalten hat. Auch wenn sie scheinbar mit stärker angezogener Handbremse agiert, erinnert sie doch wieder an die leicht neurotische und unsichere Keaton aus Filmen wie Manhattan, Der Club der Teufelinnen oder Was das Herz begehrt. Und das ist vielleicht auch das Problem, denn so sehr ich sie auch schätze, in ihrer Rolle als Leah spielt sie sich am Ende doch nur sich selbst und bringt damit eigentlich nichts Neues in den Film ein.

So sehr sich der Film auch bemüht, er braucht eine gefühlte Dreiviertelstunde um in Fahrt zu kommen und bis sich Douglas und Keaton die ersten Wortgefecht liefern, die dann auch schon wieder abebben. Während in Harry und Sally die Wortgefechte zwischen Cristal und Ryan ein Dauerbrenner und quasi das Perpetuum mobile des Films waren, sind sie hier nur ein kurzes Strohfeuer, das zu schnell von der Atmosphäre der heilen Welt erstickt wird. Und während sowohl in Harry und Sally als auch in Besser geht’s nicht die Nebencharaktere einen sehr großen Anteil an der Geschichte und an der Wandlung der Hauptfiguren hatten, sind hierdie Nachbarn eigentlich nur Randfiguren, die ab und zu mal einen Satz zu sagen haben, die aber streng genommen keinen richtigen Einfluss haben.

Reiners Film ist zuletzt leider eine Ansammlung von aufgewärmten und altbewerten Dramaturgieformeln, die – nennen wir es beim Namen – in die Tage gekommen sind. Vielleicht bin ich nicht die richtige Zielgruppe für diesen Film und es spricht auch wie gesagt nichts dagegen, dass man sich im Alter noch einmal verlieben kann. Doch gerade im Alter wünscht man sich vielleicht ein offenes Ende, das zwar schön und romantisch ist, aber nicht so leicht vorhersehbar und langweilig ist, wie das dieses Films.

Kinostart: 6. November 2014

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